Mittwoch, 18. Juni 2008

"We meet again Doctor Jones"

Ja, ich weiß. Ich bin spät dran, aber so ist die potentielle Anzahl der Leute geringer, welche den Film noch nicht gesehen haben, ihn aber noch sehen wollen und sich nicht von der Warnung "Dieser Artikel enthält Spoiler!" aufhalten lassen.
Also, Du da, ich habe Dich gewarnt.

So gesehen habe ich diesen Film nun etwas mehr als zwei Wochen sacken lassen und das bedeutet, dass das hier eher die Entscheidungshilfe für Leute mit zu viel Geld ist, ob sie sich die DVD kaufen sollen oder nicht. Grundsätzlich ist das ein Film der durchaus das Potential hat, die Gemüter der Indy-Fans zu scheiden und es gibt zwei Sätze mit den man ihn, auf zwei verschiedene Arten, kritisieren kann.

Entweder
"Gratulation Mister Spielberg, es ist ein Indiana Jones."
oder
"Es tut mir leid Mister Jones, es ist ein Spielberg."

Prinzipiell sind beide Aussagen richtig, nur auf jeweils andere Aspekte des Filmes bezogen. Man kann aber nichts falsch machen, wenn man sich mit der Erwartungshaltung "Das wird jetzt gutes Popcornkino" diesen Film anschaut. Es ist hierbei definitiv ein Fehler, einen bahnbrechenden Film sehen zu wollen, der der Indiana Jones-Reihe in jeder Faser gerecht wird. Teil drei bleibt der beste Film der Serie, Punkt.
Doch ich will nicht nur meckern: Die Actionszenen sind stimmig, wenn auch hier und da auch etwas zu lang, aber damit kann man leben. Die Dialoge witzig und gut gemacht, auch wenn zu mindest ein Gag total in der Übersetzung verschwunden ist (*) und der Indy-Slapstick auch wirklich der Indy-Slapstick, den man in den alten Filmen so mochte.
Auf der anderen Seite war es ein Fehler Spielberg bei diesem Film Regie führen zu lassen. Ich denke er hat einfach "einen Hau weg", seitdem er "Schindlers Liste" (so gut der Film auch war) und "A.I." (mit dem absolut grauenhaften Pseudo-Ende) gemacht hat. Das führt dazu, dass an einigen Stellen von Indy 4, nicht nur ein moralischer Fingerzeig gemacht wird und zugleich, mit der anderen Hand, der passenden mysteriösen Fingerzeig, wie es bei den anderen drei Filmen der Fall war... Nein, der Film nimmt beide Finger, rammt sie dem Zuschauer möglichst tief in die Augen und dreht diese dann noch mehrmals darin herum - damit man sich auch sicher sein kann, dass es jeder Idiot kapiert hat.

[Achtung Kleiner Spoiler]
Zum einen wäre da die Szene mit dem Kühlschrank.
Wie es dazu gekommen ist, kann ich mir lebhaft vorstellen: George Lucas rennt mit rudernden Armen zu Spielberg ins Büro und ruft: "Hey Steven! Wir haben noch eine halbe Million für Spezialeffekte, meinst Du die können wir noch in irgendeiner Szene verbraten… jetzt wo der Film eigentlich schon fertig ist?" Und Spielberg antwortet: "Oh! Ich glaube, ich weiß was! Wir blenden am Ende der Szene ein moralisches und episches Bild ein, damit die Leute nicht sofort drauf kommen, dass wir nur den Special-FX-Etat ausschöpfen."
[Kleiner Spoiler Ende]

Und das ist etwas, was mir am meisten an diesem Film aufstößt: Die Tatsache, dass er "zu viel" an manchen Stellen herüberbringen will. Der Film wäre mit weniger "Krach-Bumm" und "Bla-Bla" ausgekommen, man hätte einen Monat weniger in gewisse CGI-Effekte, aber dafür einen mehr in das Drehbuch investieren können. Kurz: Der Film reißt Plotlöcher von der Größe Belgiens auf, wenn einem die Handlung nicht komplett egal ist.

[Achtung Spoiler]
Da wäre zum einen: Wenn die Russen schon zwei von diesen Dingern haben und es 'eh die ganze Zeit um den Schädel geht, der bei dem spanischen Eroberer herumliegt, welchen Sinn hatte dann der erste Teil des Filmes, außer die Russen als neue Bösewichte einzuführen? Vielleicht die Tatsache, das man realistische Erdmännchen im Computer erstellen kann?
Und überhaupt: Es passiert in Indy 4 genau das, was mir auch schon "Starwars - Episode 1" total versaut hat (nein nicht Jar-Jar Binks). Selbst wenn man den Schwachsinn mit dem Kühlschrank geistig ausblendet (und nein, ich will keine Ausrede hören wie "Er hat doch aus dem Gral getrunken" - wenn das relevant gewesen wäre, hätte man es ja in einem Nebensatz erwähnen können) wäre noch die Szene unmittelbar danach:

Indiana Jones, Doppel- Dreifach- Geheimagent für die Amerikaner? Hat Missionen in der ganzen Welt gemacht? Er hat einen Militärischen Rang? Was ist aus dem unsicheren Collegeprofessor geworden, der instant cool wird, wenn er einen Hut aufsetzt und die Peitsche anlegt? Dem Mann, der sich mehr oder minder selbst in epische Schwierigkeiten verstrickt, wenn er nach archäologischen Schätzen sucht? Na danke für diesen Backstab von hinten, direkt in die Kindheitserinnerungen, Mister Produzent George Lucas. Das war ungefähr auf der gleichen Ebene wie: "Seine Midichlorianer-Werte sind außerhalb der Scala". Für diese "Zerstörung der 'Macht' mit einem knappen Satz." hätte ich Lucas damals am liebsten eigenhändig erwürgt.
[Spoiler Ende]

Dazu kommt:
In allen anderen Indiana Jones Filmen wird zumindest erklärt was gerade passiert ist und vor allem warum. Nazis machen die Bundeslade auf, komische Geister kommen heraus und alle Nazis sterben, weil Zorn Gottes - genauer müssen wir das ja nicht wissen. Beim Tempel des Todes waren es halt indische Gottheiten und diese heiligen Steine, kann man auch mit Leben. Zumindest wusste man da worum es geht und welche Gottheit angepisst ist und welche andere darauf steht, dass man den Leuten das Herz raus reißt. Teil drei, Heiliger Gral, macht unsterblich wenn man draus trinkt, uralter Ritter bewacht ihn in einer mystischer Mörderhöhle voller Fallen und alles stürzt ein, wenn man den Gral herausbringt, weil das nun mal so ist - fair enough, macht schon irgendwie Sinn, Details eher unwichtig.

Bei Teil Vier ist das nicht so. Der Film entlässt den Zuschauer mit einem Haufen halbgarer Antworten und vieler unbeantwortet Fragen nach dem 'Warum'.

[Achtung Spoiler]
Ich meine, wenn wir schon mit Aliens… 'tschuldigung… transdimensionalen Wesen, die eine Schwarmintelligenz besitzen blablabla hantieren, warum bekomme ich nur eine Aztekische-Maya-Indio-Irgendwasprophezeihung, die nur sagt "Also es passiert irgendwas, wenn du den Schädel zurückbringst, Schätze und so Zeug."

Wenn sich die Aliens wieder zusammensetzen, sobald der Schädel erneut angebracht wird, warum sitzen sie da überhaupt auf diesen Stühlen? Haben sie sich vielleicht gesagt: "Hey Jungs, wir verrecken jetzt mal auf diesen Sesseln hier und schauen ob uns in 4000 Jahren ein Idiot wiederbelebt. Das wird lustig!"? Warum haben sie sich nicht vorher schon zusammengesetzt? Warum saßen sie überhaupt da und waren tot, wenn sie es eigentlich doch nicht waren?
Und...? Und...? Und...?

Zumal ich auch nicht genau weiß, was ich jetzt halten soll, dass es ja keine 'stinknormalen Aliens' sind, sondern der (bis dahin durchgeknallte) Professor auf einmal möglichst alle "Wuuuhuuuuu"-Begriffe moderner Science-Fiction-Literatur in einem Satz runterleiern muss, während der Rest der Leute dazu nur nickt.
[Spoiler Ende]

Ich habe das Gefühl, dass die Story mehr schlecht als recht zusammenhängt, so als wollte man ein loses Konstrukt von aneinander gereihten, geilen Szenen und coolen Ideen, die dem Kopf Spielbergs entsprungen sind, nacheinander abklappern… und ein überbezahlter, aber untermotivierter Drehbuchautor hat diese noch schnell mit einem, mehr oder minder sichtbaren, roten Faden zusammengeschnürt. Nichts desto trotzt sind die Actionszenen geil und einige der 'neuen' Charaktere machen auch was her...

[Achtung Spoiler]
...auch wenn die russische Psychotussi wie eine Taschenspielerin mit Angela Merkel Frisur herüberkommt und sie einfach nicht so gut punktet wie... zum Beispiel irgendein beliebiger Alt-Nazi, der das Dritte Reich wi(e)derauferstehen lassen will. Die Kombination von: "Aliens mit Psikräften, Kristallknochen in denen noch Psienergie steckt, Supertechnolgie und Russen mit Psikräften, die die Amis in Kommunisten verwandeln wollen" war zu viel für den Film. Ganz tolle Wurst.

Mal ehrlich, ich fand da selbst Yuri aus "Alarmstufe Rot 2" einen überzeugenderen Bösewicht... und dem (Udo Kier) hat EA vermutlich nur ein Handgeld in die Finger gedrückt und ihm gesagt: "Komm wird lustig, du darfst einen total abgespaceten Superrussen spielen und wir schminken dich dazu komisch. Ist alles an einem Tag abgedreht!"
[Spoiler Ende]

Wie gesagt, es war ein formidables Popcorn-Kino, es ist durchaus eine coole Indiana Jones Stimmung aufgekommen, aber der Drehbuchautor sollte für die Story stellenweise das Herz rausgerissen bekommen, dann in die Bundeslade gesteckt werden, um schließlich im Wasser des falschen Grales versenkt zu werden.

[Achtung Spoiler]
(*)

Er: "Sind Sie so etwas wie ein Grabräuber?"
Indy: "Um Gottes Willen, nein…"
Und jetzt denkt mal scharf nach, wie ihr das ins Englische übersetzen würdet.
[Spoiler Ende]

In diesem Sinne,
TÄTÄRÄTÄÄÄÄ TÄTÄRÄÄÄÄÄÄÄÄ!

Mittwoch, 21. Mai 2008

Motivation! Wheeeee!

Eigentlich wollte ich es vermeiden, eines dieser Blogs zu schreiben, welche sich um den langweiligen Alltag des Autors –also meinen- drehen. Allenfalls wäre es für mich noch akzeptabel, gewöhnliche Ereignisse aufzuwerten, in dem man sie dabei mit tief schürfenden philosophischen Fragen verknüpft.

Da ich aber tatsächlich etwas anderes zu berichten habe, außer das „unser Hund“ mal wieder Durchfall hat (und es auch sehr schwer werden könnte, eine Verknüpfung zwischen Hundekacke und den grundlegenden Ansichten des Existentialismus zu knüpfen), will ich mal einen dieser Privatsphären-Striptease versuchen…

Erstmal an alle Allimaniacs:
Ich habe vor einiger Zeit in diesem Blog den ‚Li-La-Lichking’ dezent angekündigt und ich will wieder etwas ankündigen, dass bereits schon fertig geschrieben auf meinem PC liegt und nur noch eingesprochen werden muss. Ob es bis zum 30ten (München WoW-Nacht) etwas wird kann ich nicht sagen, aber es gefällt allen Beteiligten. Freut euch also!

Zweitens:
Ich sprühe momentan vor Ideen.
Ich weiß selber nicht wieso, aber so ungefähr muss sich jemand fühlen der manisch-depressiv ist, nur das ich weder manisch noch depressiv bin. Mhh… ok, vielleicht das falsche Beispiel. Ich bin jedenfalls von ‚total untermotiviert’ in einen Zustand, den man am besten als: ‚Oh-mein-Gott-das-wäre-ja-auch-noch-eine-geile-Idee’ bezeichnet, geschwappt und habe momentan mehr Motivation und Ideen, welche mir im Kopf schwirren, als ich zu Papier bringen kann… ohne komplett auf Essen, Schlafen, das Klo und meine wöchentliche Folge von ‚Doctor Who’ zu verzichten… schließlich habe ich da eine Studienarbeit, für die ich nicht unerheblich Zeit aufwenden muss.

Die Folge ist, dass ich -neben einer Menge anderer Ideen die auf Umsetzung warten- momentan an einem Hörspiel-Script schreibe, welches ich zwar schon länger als Konzept im Kopf habe, aber nun richtig vorankommt. Von einigen Bekannten habe ich sogar Unterstützung zugesagt bekommen, sofern das Script fertig ist. Ich verrate so viel, es hat nichts mit WoW und im weitesten Sinne mit ‚Fantasy’ zu tun.

So, ich habe mich nun genug selbst unter Druck gesetzt.

In diesem Sinne: Zurück an die Arbeit!

Montag, 12. Mai 2008

AoC-Betakey, anyone?

Ich dachte bis jetzt, dass jeder Klappspaten (außer mir, versteht sich) einen AoC-BetaKey zugeworfen bekommen hat. Nur scheint es allerdings tatsächlich so, dass ich bei buffed.de diese komische Betakey-Verlosung gewonnen habe, welche ich aus Jux angeklickt habe.

Auch wenn ich mir sicher bin, dass JEDER dort einen Beta-Key bekommen hat und ich auch wirklich gerne die paar Tage zum Release AoC anzocken würde...

...mein Rechner ist -laut Test- leider zu gammelig dafür. Und solange mich niemand spontan als Internet-Hörspielautor (*kicher*), professionellen Kolumnen-Troll (*prust*) engagiert oder eine Horde von Playboymodels mich als Ventil zum Abbau ihrer sexuellen Frustrationen haben will (*sabber*), wird sich das auch nicht so schnell ändern... auch wenn das drei sehr anziehende Vorstellungen sind. Mhh, ok im letzteren Fall hätte ich ohnehin bessere Dinge zu tun als AoC.

Wer ihn haben will, klatscht bitte seine Mail-Addy in die Kommentare und sagt noch dazu was für ein toller Hengst ich bin, und kann den dann haben. :P Wer zuerst kommt der mahlt zuerst.

Besser als den Key verkommen zu lassen.

Samstag, 3. Mai 2008

Torf?! This is Rindenmulch!

Vor nicht ganz einem Jahr erheiterte ich ein Forum mit diesem Post.
Ich denke er ist es wert, einfach nochmal in diesem Blog verewigt zu werden.

Es gibt... Blumenerde, Grabeserde, Rindenmulch, Torf, wasserspeichernde Blumenerde, besonders dunkle Grabeserde, wasserspeichernde Grabeserde, Rindenmulch an dem scheinbar irgendwas besonders ist, wasserspeichernde besonders Dunkle Grabeserde, alles zu je 40, 50 oder 70-Liter-Packungen. Und ich mitten drin. Ich soll „Kompost“ holen und habe keine Ahnung.

30 April, ein Tag vor dem ersten Mai, es ist Montag, Brückentag:
Nachdem ich beim Reifeisenmarkt (ich wusste vorher nicht mal dass es den gibt) nicht fündig wurde was Kompost angeht, was auch für die unauffindbaren Angestellten dort galt, bin ich zum nächsten „Thomas Phillips“ gefahren.

In kurz die Situation vor den Türen: Parkplatzsuche = Mortal Kombat.

Am Einkaufswagenstand stehen fünf Leute, die ankommende Wagenschieber mit der Frage "Chip oder Euro?!" bombardieren und noch im Flug den „aus den Laden Fliehenden“ die Wagen aus den Händen reißen. Ich habe mir derweil einen Parkplatz erninjat und gehe gemächlich rein und versuche mir ein Zwei-Euro-Stück an der Kasse schnell in zwei Einer wechseln zu lassen, damit ich einen Wagen holen kann. An der Kasse an der ich stehe ist gerade ein Mann, mit "einigen" Flaschen Kurzen im Einkaufswagen…

"Das sind 10, das sind auch 10 und davon habe ich auch 10 und davon 15."
*beep-beep-beep-beep*
Kassiererin: Das sind 229,25€"
Er, ungefragt: "Tanz in den Mai."

Rein zufällig bekomme ich einen Wagen direkt in die Hände, als ich wieder aus der Tür komme. Der Dönerbudenbesitzer neben mir, den ich vom Sehen her kenne, war nicht schnell genug…
*Quietschi* *Quietschi* *Quietschi* *Quietschi*
Ach mist...

Dann weiter, auf meiner Odyssee durch die Wirren dieses Supermarktes zur Gartenabteilung - was eigentlich in einem „Thomas Phillips“ nur der Teil ist, an dem es etwas Grüner ist, als an anderen Orten des Marktes, wo man die Ware achtlos hingeworfen hat... und die Ware „noch“ lebt und nicht „schon wieder“. Dazu gehe ich ungefähr den doppelten Weg als eigentlich nötig wäre, weil alles mit Kunden dicht ist. Hochgerechnet rempele dabei drei extrem Übergewichtige, vier Rentner und zwei augenscheinlich geistig Minderbemittelte -ohne Eigenverschulden- an, aber zugegeben was suche ich mir auch ausgerechnet den einzigen „Tranwagen“ des Ladens aus, den keine Sau hören kann…
*Quietschi-Quietschi-Quietschi-Quietschi*

*rempel*
„Oh 'tschuldigung.“ - *ich, freundlich* „Macht nichts.“
„Oh, das wollte ich nicht.“ - *nett* „Macht nichts.“
*sagt keinen Ton* - *ich, brummig* „Macht nichts.“
„Passen sie doch auf!“ – *zynisch* „Macht nichts.“
„Tut mir leid, junge... äh… junger Mann.“ - „Machen die langen Haare.“

Dann kommt Punkt X.

„Punkt X“ ist der Kreuzpunkt dieses Marktes, die Stelle wo zwei Schlangen von der Kasse hergehen und sich gleichzeitig der Durchgang zur Gartenabteilung sich befindet. Das Selbstorganisierungsverhalten der Deutschen an einen Brückentag, lässt im Übrigen allgemein deutlich zu wünschen übrig, da in der Regel kaum einer einen solchen Tag "durchplant"… wie das z.B. am 1ten Mai üblich ist. (Siehe die 229,25€.) *Quietschi-Quietschi-Quietschiiiiiiii*

*ich freundlich* "Kann ich mal durch?"
*angespannte Stille*
*räusper* "Kann ich da mal rüber?"
- "Hinten ist das Ende der Schlange junger Mann." meint der Kerl mit dem Einkaufswagen voller Nahrungsergänzer.
"Jaaa… aber da drüüüben ist die Gartenabteilung."
- "Ach sooo...."
*durchschieb* *Quietschi-Quietschi-Quietschi*
*Geistige Notiz: Nahrungsergänzer helfen nicht gegen persönliche Dummheit.*

Dann in der Gartenabteilung ... Blumenerde, Grabeserde, Rindenmulch (…was zum Geier ist das eigentlich?) Torf, wasser-speichernde Blumenerde, besonders dunkle Grabeserde, wasser-spiechernde Grabeserde ... wieder kein Kompost. Aber EINE Verkäuferin! Lichtblick! Zwar ist sie so getarnt, dass sie auf ersten Blick nicht als solche erkennbar ist, aber sie macht den fatalen Fehler einen Palettenheber zu betätigen.

"Hören Sie, in kurz: Ich habe keine Ahnung und den Schwarzen Daumen… was genau von dem Zrug hier geht als Kompost durch?"
Sie überlegt: "Ähh... Sie wollen Torf, der Kostet… öh… 2,29."
Ich wuchte also zwei 70-Liter-Säcke Torf in meinen Wagen. Wobei ich erst noch die Palette aufreißen muss, da die Mitarbeiterin sich nach ihrer Enttarnung so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht hat. So schiebe meinen Wagen den Weg wieder zurück....

*Quietschi-Quietschi-Quietschi-Quietschi*
...um an Punkt X zu gelangen. *Quiiiiiiiiiiiiiietsch*

Ich schaue nach rechts. Zwei Schlangen, eine aus irgendeinem Grund doppelt so lang und eine die gerade mal bis Punkt X geht. Beide gehen zu je einer Kasse. Ich schiebe mich also in die von mir aus vordere und kürzere Schlange ein - wird schon einen Grund haben warum die alle unbedingt an der Linken stehen wollen. *Quietschi*

- "Ey die Schlange fängt hinten an."
"Das hier sah mir aber aus wie das Ende der Schlange...."
"Ja, ja... stellen Sie sich gefälligst hinten an."
Ich lasse den Kerl (nicht der mit den Nahrungsergänzern) mit seinen drei Teilen durch (kein Bock auf Diskussion) und schiebe mich… *Quietschi-Quietschi-Quietschi-Quietschi* trotzdem irgendwie hinter den Kerl und seiner Frau, die vor den Nörgler von eben gestanden haben… denn der Nörgler steht nun aus irgendeinem Grund in der linken Schlange und etwas vor mir, während ich rechts bleibe. In dem Moment haut mir etwas gegen die Füße, irgendeine Frau die Blumenerde gekauft, diese auf die Wasserkasten-Ablage ihres Wagens gelegt hat und hinter mir steht.

"Oh entschuldigung."
"Macht nichts." meine ich mit eiserner Routine.

10 Minuten Später, gleiche Stelle... der "Stellen sie sich hinten an"-Nörgler steht noch ein Stück weiter vorne und links als eben. Vor mir ist dafür immer noch die Frau mittleren Alters… da kommt der Ehemann zum dritten Mal aus den Untiefen des Marktes und legt abermals etwas in den Einkaufswagen. Waren es zu Anfang noch drei Teile in ihrem Wagen gewesen, sind es nun etwa fünfzehn.

Wieder haut mir die Frau ihre Blumenerde gegen die Füße.
"Oh entschuldigung."
"Macht immer noch nichts."

Irgendwann hab’ ich’s an dem Sonderpreis-Gewürzen vorbei geschafft… wobei ich Sachen lesen musste wie „Einmachgewürz“ (keine Inhaltsstoffangabe zu finden) und „milder Cayennepfeffer“… und den Nörgler überholt- Nun stehe ich auf Höhe der „Sonderposten: Schokolade - wohl schon mal, vermutlich, vielleicht und nicht ganz sicher zu warm geworden."

... ach scheiß drauf und pack einen Riegel mit Haselnüssen ein. *gesagt, getan* Mittlerweile hat der Ehemann der Frau vor mir, neben vielen anderen Teilen, zwei Rosengitter und einen 2,5-Meter-Aluschirm besorgt und steht nun neben seiner Frau und riecht extreme nach nasser Gartenerde… was er eben definitiv noch nicht tat.

Wieder Blumenerde gegen die Füße, ich versuch's zu ignorieren, könnte schlimmer sein.

Schließlich kommen sie zum Zahlen, endlich ist die Erlösung nahe.
Er reicht der Kassiererin die EC-Karte.
Einmal die Karte durchgezogen. Warten.
Noch einmal die Karte durchgezogen. Noch Mal warten.
Ein drittes Mal die Karte durchgezogen. Wieder warten.
Ein viertes Mal die Karte durchgezogen. ....warteeeen....
Dann erst: "Ach ich habe das auch Bar."
Reflex unterdrücken, um nicht in den Griff des Einkaufswagens zu beißen.

Ich komme dran.
"Heben Sie doch mal bitte den Sack an, dass ich den Barcode einlesen kann."
Ich hebe ihn an, hatte ich doch den oberen Sack in weiser Voraussicht, passend in den Wagen gelegt. Das Kabel des Scanners spannt sich, sie liest ein, liest noch mal ein.
"Könnten Sie etwas näher kommen?"

Ich schiebe das Ding direkt gegen die Kasse, *Quietschi-Quiii* hieve den Sack abermals hoch.
Sie liest ein... liest... liest...

"Mhh… Müssen wir den unteren nehmen."
*seufzend* "Die wiegen 50 Kilo das Stück..."
"Ja, anders kann ich ihnen auch nicht Helfen."
*seufz* Da meine Voraussicht natürlich nicht bis zum unteren Sack gereicht hat, muss ich –natürlich- erst einmal den Einkaufswagen quer in den Kassenbereich stellen *Qui-Qui-Quietschi-Quiiiesch* und irgendwie beide Torfpackungen hoch, quer und sonst was … egal, irgendwie in Richtung des Scanners drücken…. Die Kassiererin streckt passend dazu in einer Eisläuferpose herüber und liest mit dem Scanner..... und liest.... und liest.... und liest....

Ich: "Die kosten 2,29."
Sie: "Ich muss sie Trotzdem einscannen."
Ich, raune schaue mir das Gerät zufällig an.
Ich: "Darf ich mal?"
Sie: "Wie meinen?"
Ich greife mir das Teil einfach, nehme mit meinem Daumen in Zeitlupe die Erde herunter die - was weiß ich wie – auf den Scanner drauf gekommen ist.

"Jetzt."
*beep*
"Fünf Euro Vier."

Später:
"Hast du den Kompost mitgebracht, Junge?"
"Liegt auf der Terasse."
"Das ist Torf... Kein Kompost."

*Schreikrampf*

Montag, 28. April 2008

Electrosluts Extraordinaire, Coke Zero und was das mit der RPC zu tun hat

Nein ihr Schweine! Das ist ein Tatsachenbericht von der RPC, den ich lieber schnell herunter schreibe, bevor die Erinnerungen verblassen.
Ich selbst war in Rahmen der Allimania-Live Lesung dort.
Auf der Allvatar-Bühne.
Ich schreib nämlich den Kram.
Und ja, in der nächsten Zeit kommen wieder mehr Blogs.

Ja Münster.
Weltmetropole und ein Ort, an dem die Wahrscheinlichkeit sich die Kühlerhaube mit einem Fahrradfahrer zu verschönern ungefähr dreimal so hoch ist, wie in jeder anderen deutschen Stadt. „Nur wie hinkommen?“ Die Frage stellte sich mir am Samstagabend.
Prinzipiell bin ich ja lauffaul, allerdings habe ich eine dezente Abneigung gegen Autobahnen und dazu kommt noch eine nicht-ganz-so-dezente Geldgier, welche sich mit den immer weiter ansteigenden Spritpreisen als Selbsterhaltungszweck in mein Verhaltensmuster eingebrannt hat.

Statt eines von zwei recht ausschweifenden „L“ ’s über diverse Schnellstraßen zu fahren entschied ich mich also für eine gewagte Fahrt durch Weltmetropolen wie:
Klieve, Schmerleke, Horn, Wiggeringhausen, Bettinghausen, Ostinghausen, Hovestadt
und Vorhelm, dessen Name vermutlich nicht nur mich entfernt an Verhütungsmittel erinnert.

Wie auch immer: 25km weniger waren schon ein Wort.
Mit mir trug ich übrigens meinen treuen iPod, wo ich am Abend vorher noch die Titel einer Electro-Compilation überführt habe, darunter auch ein sehr eingehender Titel namens „Electrosluts Extraordinaire“ was neben „Supermassive Gravity“, der zweitbeste Titel auf dem Album ist. Letzteren habe ich mindestens sechs bis acht Mal gehört, aber im Ernst, wer liest schon einen Blogpost der mit „Supermassive Gravity“ anfängt?

So traurig es ist, und so gerne ich von einem schrumpeligen Münsterländer Bauern erzählen würde der mir Wegweisungen wie: „Beier alten Eiche Rechts ab wo der Eugen seine Renate zum ersten mal geküsst hat.“

oder

„Wennse am Zaum vonne Bauer Randers vorbeikomm’n, der hat da so auffen dritten Zaunpfahl ‚nen weißen Farbfleck, dann könnse da rechts ab… Da fahnse abba nicht rechts ab sondern weita gerade aus, zum Hof von unsern Gertrud, wo se links abkönn’ , aber da fahn’ se auch nich’ rein weil, da würden se ja zum Hof vom alten Kurt komm’ wo … Hey? Wo fahren Se denn hin? Ich hab Ihn’ doch gannich gesacht wo man hier ganz toll essen kann!“

gegeben hat …ich habe mich nicht einmal verfahren.
Ich war sogar 15 Minuten früher da als ich musste.
Scheiß Leben.

Nachdem ich in einer recht unspektakulären Weise meinen Parkplatz gesucht und sehr nah an der Halle gefunden habe, bin ich am Haupteingang – übrigens wohl auch der einzige Eingang – solange auf und ab gegangen, bis ich dann endlich Steve erkannte… der ohne seine hochgegelte Frisur irgendwie nur halb so sehr auffällt. Trotzdem schien ich fast der Letzte zu sein, denn Chosi (Arthas) war schon da und Jonas (Ronnie) und die Sissi (Uschi) bereits in der Halle. Es trudelten noch Heinz (Illidan) und dann auch Bodie (Medivh) ein. Irgendwer meinte noch „Das isser.“, als eine Mischung aus Zauberer, Rubeus Hagrid und dem Weihnachtsmann auf uns zukam, die sich zweifelsohne in seinem Outfit zu Tode schwitzen musste. Wir alle etwas stutzten, bis irgendwer weiteres schließlich meinte: „Das ist wirklich Bodie.“ und er war es auch.
„Wie jetzt, sagt nicht ich bin der Einzige der Verkleidet gekommen ist?
“ meinte er nur und ich unterdrückte das Verlagen: „Wieso denn? Du bist für uns alle zusammen verkleidet.“ zu sagen. Dafür war das Outfit einfach zu geil.

Wir gingen, mehr oder minder direkt, in den Innenhof und hatten noch ein wenig Zeit über Themen die ich mal als „Dütt-und-Dat“ bezeichnen will zu schnacken und die Texte noch mal zu sichten, bevor alle dann zum Allvatar-Stand gingen, verkabelt wurden und auf die Bühne mussten. Den Videomitschnitt gibt es (edit: hoffentlich bald) bei allvatar.com – wobei natürlich das Script wieder etwas anders angekommen ist, als ich und Steve uns vorgestellt hatten – aber nicht schlecht. Ich hatte - mal wieder - Probleme mit dem Ton, so dass ich immer wenn ich etwas sagen wollte, das Headset hochbiegen musste… dabei war es nicht weiter vom Mund weg als bei den anderen. Vermutlich hab ich einfach Gremlins die immer dann zuschlagen wenn’s wirklich wichtig ist. Übrigens: dieses scheiss Drahtgestell von Headset verursacht bei einem Schädel wie mir fast Instant-Kopfschmerzen, aber was tut man nicht alles für eine gelungene Selbstdarstellung? Ich selbst gebe mir übrigens Abzüge in der Haltungsnote, vermutlich solle ich mal das ‚lässige Sitzen vor der Kamera’ üben.

Als das Ganze dann vorbei wahr, sind Heinz (Illidan) und ich – als größte Rollenspiel-Nerds in der Gruppe - einfach mal durch die Hallen gegangen, während Steve die WoW-Nacht machte und haben uns alles einmal angesehen. Wobei Heinz zwar ein wirklich, wirklich netter Kerl ist, er sich aber scheinbar sehr leicht ablenken lässt. Der Eindruck kam mir nicht nur einmal, als wir durch den Larp-Teil der Con schlenderten und er mit Sätzen, die man am besten als „Ui Schick, was ist denn das?“ umschreiben kann, mitten aus dem Gespräch mit mir, von irgendeinem Stand in einem 5 Meter Radius um uns herum, abgelenkt wurde. Daraufhin war er erstmal minutenlang mit den Verkäufern in tiefer gehende Diskussionen über LARP-Bedarf (*) verstrickt, zu denen ich allenfalls genickt und gegrinst habe um nicht sagen zu müssen: „Jaaa…. Ich verstehe hiervon etwa so viel wie von der Pferdezucht.“ Aber verständlich, wo sonst findet man so viel LARP-Bedarf auf einem Fleck?

(*) „Live Action Roleplay“ - oder wie ein Jäger sagt, den ich kenne: „Die Spinner die im unteren Sauerland in Rüstung durch die Wiesen hüpfen.“

Das einzige Mal, als ich dann nicht ganz ernst gemeint meinte: „Mhh, ich hätte jetzt fast erwartet das diese Gummi-Feuerbälle beim zusammendrücken quietschen.“ kam ich mir kurz darauf so blöd vor, dass ich in Folge nur noch vorzog einfach alles mit meinen Pfoten anzugrabbeln und hochzuheben, was ich durfte. Grundsätzlich habe ich dazu auch alles einmal angegrabbelt, bevor ich das dezente „UM HIMMELS WILLEN BLOß NICHT ANFASSEN“-Schild gesehen habe. Nebenbei: Ich überlege ernsthaft mich auf einem Larp als Zombie-NPC anzumelden, einfach nur … weil’s irgendwie cool ist.

Die RPC selbst ist als Ganzes… ich sage es mal so, was ich Sonntag gesehen habe rechtfertigt irgendwie nicht den Eintritt. ( Außer eine Allimania-Livelesung natürlich! ) Alles was man sieht ist eine große Verkaufsmesse mit einigen präsentierenden Ständen. Das einzig bemerkenswerte die große Anzahl von „LARP-Bedarfs-Händlern“, ansonsten gibt es noch die üblichen Händler für Figuren, Schnickschnack, Rollenspielkram und andere Bücher. Es gibt einen Bereich in dem MMOs und Tradingcardgames vorgestellt werden, ein etwas größerer Bereich wo sich PnP-Spieler und Tabletopler austoben können (der am Sonntag recht leeeer war) und draußen ein Mittelaltermarkt. Zu gewinnen gibt’s nichts, aber vermutlich war ich auch einfach etwas zu spät dran um einen AoC-Betakey abzugreifen.

Grundsätzlich wird man da von allen Seiten mit Reizen bombardiert. Sei es nun eine Frau die eine Verkleidung hat, die eher so aussieht als würde sie für einen Mittelalter-Reizwäsche-Katalog posieren wollen, Succubus-Figuren, Sith-Lords, Stormtrooper, Möchtegern-Aragorns, Ritter, Paladine, Gummi-Orkäxte in den Händen von Orks mit Gummimasken, Lederrüstungen, riesige Screens mit neuen MMOs drauf, Coke Zero, Klappspaten die mit Gummiwaffen auf sich einprügeln und irgendeinen Vollpfosten, der seine ‚Freundin’ mit Maulkorb an einer Kette auf dem Gelände herumführt wie einen Hund und ihr Befehle wie „Sitz!“ , „Platz!“ und „Sei still!“ gibt… kein Scherz, als Bodie, Chosi und ich später noch mal auf dem Mittelaltermarkt an den Beiden vorbeiliefen, musste sie in der Ecke ‚Sitz’ machen während er … nun einfach weiter Scheisse in seinem Outfit aussehen konnte. Aber vielleicht war der Maulkorb ganz gut so und sie hat nicht nur einen Hintern wie ein Pferd.

Eindrücke die sich mir noch aufdrängten in Punkto: „Andere MMO Seiten und Zeug“ war, dass der Gamona-Stand gegenüber dem Allvatar wohl 90 Prozent der Zeit für Hörstürze gesorgt haben muss, dass am AoC-Stand entweder die Belegschaft alleine für sich dass Game zockte (oder ein Spinner mit Staff-T-Shirt der so tat, als wäre er wichtig), der Buffed-Fanartikel-Verkaufsstand deutlich größer war als der eigentliche Buffed-Stand auf dem die Shows liefen, jede Person die ein „Schwarzes Buffed-Shirt“ trug nicht älter als 15 war und das es tatsächlich Vollzeitloser gibt, die auf der RPC Eintritt zahlen, nur um dann die Sunwell-Tagesquests auf einem der dort aufgestellten Rechner zu zocken… das ist glaube ich noch eine Schublade tiefer als die Baggy Pants-Kiddies die zur Mittagszeit im Karstadt ihre Jugend vor der PS3 vergeuden.

Später sind Chosi, Bodie und ich noch mal über die Con und durch Münster gelatscht und haben dann erfolgreich ein Subway’s ausgemacht und uns recht gut unterhalten und rumgeblödelt. Wir kamen dabei an einer offenen Tür vorbei auf der „HdW“ stand. Chosi meinte, dass „HdW“ „Höhlen des Wehklagens“ bedeutete…. Selbiges Gebäude entpuppte sich als Außenstelle des Sozialamtes, was meiner Meinung nach das mit dem Wehklagen gar nicht so unwahrscheinlich klingen lässt. Der Kerl im Rollstuhl der drinnen saß fand das nicht ganz so lustig….

Ach so, richtig. „Coke Zero.“ Nachdem Bodie, Chosi und ich das erste Mal die Halle verlassen haben, um Bodies Kostüm wegzubringen bekamen wir von einer Coca-Cola Werbeaktion eine 0,2er Coke Zero in die Hand gedrückt…. Und da uns nach fünf Minuten keine von den Frauen wiedererkannte, gab es beim hineingehen wieder eine. Insgesamt habe ich, glaube ich, so einen Liter Cola oder mehr gesoffen.
Ich war zu hause noch nie so schnell vom Parkplatz im Haus und dann auf dem Klo.

(Edit: Erinnert mich, dass ich nie wieder poste ohne das Ganze nochmal vorher durchzulesen. )

Sonntag, 16. März 2008

Wahrscheinlich Murphy

Gefühlte Wahrscheinlichkeiten sind eine sehr interessante Sache. Vor allem Dinge, die man 'eigentlich gerade in dieser Situation nicht so gebrauchen kann' scheinen oft eine ungleich größere Häufung im bewussten Wahrnehmungsfeld aufzuweisen, als die so genannten 'glücklichen Zufälle'.

So war es zum Beispiel augenscheinlich relativ unwahrscheinlich, das irgendjemand einen guten, zynischen Blog verfasst, welcher sich mit dem "Übersetzungs-Hin und Her" bei WoW auseinandersetzt... und dazu diesen am gleichen Tag postet wie ich das eigentlich vor hatte. Aber so ist es auf WoW-Szene.de geschehen und ich muss sagen, dass er recht gut ist.

Na was soll's, muss ich halt auf Plan B umsteigen.

Wahrscheinlich eine Naturgewalt
Wenn ich eines Tages, nach meinem Ableben doch das Glück haben sollte, dass a) ein Jenseits existiert und b) meine Werte Seele in diesen Himmel einfahren darf, werde ich schnurstracks am Herren Petrus und allen meinen Freunden und Verwandten vorbeimarschieren, direkt in das Büro vom großen Chef und ihn nach seinem Namen fragen. Und ich bin mir verflucht sicher, dass er sich mir mit 'Murphy' vorstellen wird.

Alles was schief gehen kann, wird auch schief gehen und wenn ein Ereignis passieren kann, dass eine Situation noch verschlimmert - passiert es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit.

Wahrscheinlich Beispiele
Man kennt dass: Man nimmt sie die einzige Milchtüte aus dem Aldi mit die tropft und merkt es erst wenn man den Einkauf in den Wagen packen will und gerät im Anschluss an die einzige Verkäuferin in ganz Nord-Rhein-Westfalen, welche steif und fest behauptet man hätte die Tüte vorsätzlich kaputt gemacht. - Ich Milchtütenvergewaltiger, ich.
Genau so kann es einem passieren, dass man unvermittelt dazu aufgefordert wird, alle Uni-Nebenfachscheine noch Mal (gerade eben schnell) nachzureichen, weil diese im Büro nicht auffindbar sind ... um später herauszufinden, dass das Vordiplom, welches erst hätte ausgestellt werden dürfen wenn eben diese, fehlende Scheine vorhanden sind, schon seit etlichen Monaten in der gleichen Schublade liegt in der die Scheine hätten sein sollen... Allerdings fällt dieses Vordiplom erst dann auf, wenn der arme Student in einer monatelangen Aktion alle Nebenfachscheine nachgereicht hat.

Wahrscheinlich WoW
So etwas passiert, auch in WoW. Mein 'Neverdrop' zum Beispiel ist der Schurkendolch vom Prinzen in Karazan. Das einzige Mal gesehen habe ich ihn vorletzten Sonntag, als ich zum ersten und einzigen Mal mit meinem Gnommagier in dieser verteufelten Instanz war. Er wurde gedisst und ich vermute stark, dass selbst wenn jemand ihn hätte gebrauchen können, er ihn nicht vor meinen Augen eingesteckt hätte. In der Tat habe ich Kara nun 'gefühlt' etwa "n+1" Mal geraidet, wobei "n" die akkumulierte Anzahl aller Kararaids darstellt, welche es bisher in der Geschichte von WoW gegeben hat. Inklusive Alpha und Betaphase wo BC. Zugegeben ist es auf eine humoristische Weise ärgerlich. Im Nachhinein lacht man über so etwas und sagt sich "Hey das war doch klar, dass er ausgerechnet dann dropped."

Aber ist es das?
Passiert einem so etwas immer wieder oder glaubt man dieses nur, weil es einem mit Pfennigabsätzen auf den Sack geht?

Wenn ich bei zwanzig Raids mitgehe, ist die Wahrscheinlichkeit einen Gegenstand jedes Mal droppen zu sehen genau so hoch, wie die Wahrscheinlich ihn niemals oder ein, zwei oder zehn Mal fallen zu sehen. Allerdings wird sich, nur wenn ich diesen bewussten Gegenstand niemals in meine Pfoten bekomme, diese Tatsache in mein Hirn einbrennen. Sagt man so etwas übrigens bei einem Bierchen laut in den Raum hinein, kommen dutzende ähnlicher Rückmeldungen. "Ja kenn ich: Der Stab von Illhoof", "Meine Tier 5 Schultern von Voidreaver.", "Frag mich mal nach meiner Hose, damals beim Baron in Strat." Und irgendwo weiß man, dass eben das die anderen Erinnerungen an die 'Gute alte Zeit' sein werden, welche man dann aber beim Erzählen selbiger außen vorlässt - man will ja nicht als Jammerlappen dastehen, es sei denn natürlich jemand anders jammert zuerst… dann darf man.

Wahrscheinlich neue Jeans
Genau so erinnere ich mich mit Schrecken an die windstille Nacht, in der ich die Frittenschachteln aus dem Haus in die Mülltonne nach draußen bringen wollte, damit der Currywurstgeruch bis zum nächsten Morgen nicht das Wohnzimmer zu stinkt. Durch eine spontane Windböe fiel die Tür direkt vor meiner Nase zu… auf der anderen Seite ist in all den anderen Nächten, in denen ich ebenso mal kurz vor der Tür war, nichts passiert. Ganz sicher jedoch werde ich mich an die Nacht erinnern, in der ich mal eben die Frittenschachten raus gebracht habe, dabei diesen Artikel am schreiben war und mir deswegen Gedanken machte ob die Tür wieder hinter mir zufällt... und dabei nicht das Holzbrett in meinem Weg liegen gesehen habe und der Nase lang hingesegelt bin. Loch in der Hose und die war ohnehin nicht mehr die beste, hätte schlimmer kommen können – ein rostiger Nagel zum Beispiel. Nur nicht von so etwas beuteln lassen.

Wahrscheinlich überreagiert
Besonders deutlich wurde mir einmal der Eindruck, dass sich doch manche Menschen von 'Murphys Law' beuteln lassen, bei einer namenlosen Auchidoun-Random-Gruppe. Wobei sich der gerade mal dem Kindesalter entwachsene Tank sich nach dem Töten eines Bosses minutenlang, eklatant darüber aufregte, dass sein Setteil nicht gedroppt war. Er meint lautstark, dass doch alles scheiße sei und dass er sich frage was er denn getan hätte um so vom Leben gestraft zu werden. Ich leerte in diesen Augenblicken eine die halbe Bierdose und wartete (Gott sei dank) vergeblich, dass der Jäger - welcher vor dem Join des Tanks in einem Nebensatz gemeint hatte, dass er in Abendstunden, in denen er nicht bei Freunden oder Bekannten war sich mit WoW etwas ablenke, weil seine Frau vor einem halben Jahr verstorben war - explodierte. So gesehen, warte ich lieber ewig auf diesen Dolch.

In diesem Sinne, sorry für das etwas lahme Blog und möget Ihr ewig auf eure Epics warten.

Samstag, 8. März 2008

No pain, no gain.

WoW-Spieler kennen das:
Ein neuer Boss steht einem gegenüber und die Raidleitung hat mal wieder die undankbare Aufgabe zu erklären, wie man am besten dem 10 Meter großen etwas die Tier-Tokens aus den Rippen schneidet.

Da schaut man also diesem Monster in die unbestimmte Anzahl Augen, fragt sich wie das Ding überhaupt durch die Tür gekommen ist, oder alternativ ob dieser Blutelf - bei einer geschätzten Körpergröße von sechseinhalb Metern - eigentlich noch bezahlbare Klamotten in seiner Größe findet und aus diesem Grund die epischen Dolche und Plattenhelme in seinem Loot, als Nadeln und Fingerhüte für sein Nähkästchen zweckentfremdet.
Während man sich diese und andere Gedanken macht, hört man nebenbei einer - oft etwas demotiviert klingenden - Erzähltante zu, welche sich in einem Zeitraum zwischen 10 Sekunden und einem Tag vor diesem Augenblick einen Guide zu dem Vieh 'da vorne' durchgelesen hat und nun einem beibringen möchte, wie man den Hobbyschneider am besten in die Anderswelt befördert.

Grauseliges Beispiel:
Ich erinnere mich hierbei noch mit Schrecken an einen pre-BC Fall, in dem ein Jäger (gut gemeint) sich ein wenig mehr Zeit für die Erklärung der etwas komplizierten Käferfamilie in AQ40 nahm.
Als er das erste Mal begann sich zu wiederholen, entschied ich mich doch noch mal schnell auf's Klo zu gehen, kurz darauf hob ich das Headset einen Moment an um den Stand der Dinge zu überprüfen und entschied mich mir in der Küche noch schnell zwei Toast zu machen. Minuten später setzte ich das Headset wieder auf und aß vor den PC meine zweiten zwei Toast. Ich drehte Teamspeak darauf hin leiser und las mir einen Guide zu den Käfern durch... als ich aus diesem beim dritten Mal Durchlesen nicht so wirklich schlau wurde, entschied ich mich ein Video zu dem Encounter herunter zu laden.
Als ich mir das Video zum wiederholten Mal angeschaut hatte und überlegte, ob ich nicht gleich noch Mal mit dem Hund Gassi gehen sollte, mit welchem just wieder durch die Tür vom Gassigehen herein war, war der werte Herr Jäger endlich der Meinung alle Klarheiten beseitigt zu haben.

Das ganze hatte etwa eine Stunde und zehn Minuten gedauert.

Diese Zeitangabe ist übrigens keine Übertreibung, sie wurde von drei verschiedenen Leuten gestoppt und als gleichsam als absolut authentisch bestätigt.

Der Raid wipte in weniger als 30 Sekunden.

Grausige Schlussfolgerung:
Natürlich sagt diese Geschichte, neben der Tatsache dass es Leute gibt die sich verflucht gerne selbst reden hören, auch einiges über die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen und die Art und Weise aus, wie diese lernen.

Was Bosserklärungen angeht ist je nach Individuum bei 5 bis 10 Minuten Sense. Ich glaube ernsthaft, dass - bis auf einem Kampf wie Keal'Thas, mit seinen fünf Phasen - man auf keinen Encouter mehr als 600 Sekunden Erklährzeit verschwenden sollte. Alles darüber ist kontraproduktiv. Spätestens nach besagter Zeit wissen zwei Drittel der Raidteilnehmer nicht mehr wie der Boss "jetzt eigentlich noch mal" hieß und wo sie "jetzt eigentlich noch mal" waren, ganz zu schweigen davon was sie "jetzt eigentlich noch mal" tun sollten. Das letzte Drittel ist immerhin so intelligent dem Rückenmark einzuprogrammieren, dass es die Augen gefälligst zurück zum Spielfenster richten soll sobald der Ready-Check ertönt, während das Großhirn neue lustige Videos auf YouTube suchen darf.

"Habt ihr das alle verstanden?"
Wie oft haben wir den Satz in der Schule gehört, schweigend genickt und dabei inständig gehofft, dass wir nicht die arme Sau sind die gleich zum Vorrechnen an die Tafel zitiert wird. Das Leben ist nun mal zu Wiederholungen verdammt. So gesehen ist die einzige Frage, die ein Raidteilnehmer nach einer 'zu langen' Erklärung von sich gibt, ohnehin nur: "Wen soll ich gleich noch mal hauen?" ...und selbige ein sicheres Zeichen, dass beim nächsten Boss-Try irgendwas schrecklich schief gehen wird. In so einer Situation kann man sich glücklich schätzen, wenn der Maintank noch weiß dass er tanken muss...

Persönliches Fazit:
Ich selbst habe Schwierigkeiten mir alle Feinheiten eines Encouters zu merken, wenn sie das erste Mal verbal vor mir ausgebreitet werden ... also bleibe ich -wie wohl fast alle anderen auch- besser bei dem was für meine Klasse relevant ist. Natürlich könnte ich auch so fleißig sein mir das ganze vorher durchzulesen; Aber wie das mit Papier nun mal so ist, fühlt die Praxis fühlt dann doch irgendwie anders an und ist vor allem einprägsamer als Cellulose... außerdem ist das eine prima Ausrede für meine eigene Faulheit.

Trotzdem:
Faulheit hin oder her, ich bin eher der Fan von "Nur die wichtigen Stichpunkte, bitte." Dann 3 - 4 Mal ordentlich wipen um dabei lernen wie der Encounter funktioniert. Selbst in einem hoch motivierten 25er Raid ist es utopisch zu verlangen, dass beim ersten Mal jeder die im Forum gepostete Taktik auf die Reihe bekommt. Darüber hinaus denke ich auch, dass wenn man mit der Einstellung: "Wir bekommen jetzt eh erstmal auf die Fresse" an einen Boss herangeht, man viel Druck aus der Sache heraus nimmt.

In diesem Sinne, ich wünsche wenige Wiederholungen an diesem Wochenende.